Das große Mama Handbuch

Das Standardwerk

Alles über Schwangerschaft, Geburt und die ersten 10 Monate mit Baby.

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Kreißsaal oder Wohnzimmer?

Sehr beruhigend:

Die normale Geburt, also ohne vorbekannte Risiken, ist bei uns in der Klinik nicht sicherer, das »Geburtsergebnis« nicht besser, als wenn eine Hebamme die Geburt außerhalb der Klinik begleitet. Das verkündete zuletzt der GKV-Spitzenverband (Bund der gesetzlichen Krankenkassen) im Dezember 2011 als Fazit seiner Studie, in der von 2005 bis 2009 mehr als 90 000 Geburten sorgfältig erfasst und ausgewertet wurden. Beste Nachrichten für werdende Eltern!

Pluspunkte der klinischen Geburtshilfe

  • Krankenhäuser sind bestens darauf eingerichtet: Arzneimittel zu verabreichen und man hat eine Vielfalt von technischem medizinischem Gerät (z.B. Infusionstropf, Herzton-Wehenschreiber (CTG) sowie den kompletten OP) zur Verfügung
  • Kliniken stehen allen Frauen zur Verfügung
  • Leider nur selten: Hebamme, die während der Geburt von Anfang bis Ende an der Seite der Frau bleibt (stattdessen betreut sie mehrere Gebärende gleichzeitig, wechselt im Schichtdienst)
  • Neugeborenen-Intensivstation sind bei großen Kliniken in einem Haus. Muss das Baby dorthin verlegt werden, ist die schmerzhafte Distanz geringer
  • Mütter, die bereits kleine Geschwisterkinder zu Hause haben, genießen es manchmal, noch ein paar Tage in der Klinik bleiben zu können

Toll, aber vielerorts (noch) schwer zu finden:

In einem »Babyfreundlichen Krankenhaus« werden die Eltern-Kind-Beziehung und das Stillen intensiv unterstützt. In einem »Hebammenkreißsaal« und im Beleghebammensystem (www.beleghebamme.com) wird eine normale Geburt ausschließlich von einer Hebamme betreut.

Pluspunkte der außerklinischen Geburtshilfe

  • Eine Hebamme ist bis zum Ende exklusiv für diese eine Geburt zuständig
  • Der Geburtsverlauf wird nicht künstlich beschleunigt oder verzögert
  • Die Geburt steht nicht unter Zeitdruck
  • Kein störender Personalwechsel
  • Sinnlos beeinträchtigende Routinemaßnahmen gibt es nicht Das macht viele Arzneimittel unnötig.
  • Kontinuierliche Eins-zu-Eins-Betreuung verhindert so manche Komplikation schon bevor sie überhaupt entsteht
  • Der Kontakt mit multiresistenten Klinik-Keimen ist ausgeschlossen
  • Das Neugeborene wird keinen Routinemaßnahmen unterzogen, was sinnvoll erscheint, wird individuell besprochen
  • Das Bonding wird nicht unterbrochen.
  • Papa kann rund um die Uhr bei Baby und Mama sein
  • Mama und Baby sind schon zu Hause (oder gehen ein paar Stunden nach der Geburt dorthin)

Außerklinische Geburtshilfe ist im eigenen Zuhause, in einem Geburtshaus oder als Praxisgeburt möglich. Etwa 15 % der Geburten und 2 % der Neugeborenen werden in eine Klinik verlegt. Die außerklinische Geburtshilfe kann nur dann angestrebt werden, wenn zuvor keine problematischen Befunde vorliegen (die aber selten sind).

Hausgeburten in den Niederlanden

Das Land der Hausgeburten in Europa sind übrigens die Niederlande. Dort müssen sogar Klinikgeburten aus eigener Tasche bezahlt werden, sofern keine Risikoschwangerschaft vorliegt! Hausgeburten werden dagegen von der Krankenkasse übernommen.